Historisches

Aus Archiv des LTO und der Stadtbühne Vohenstrauß
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Burgfestspiele Leuchtenberg seit 1948

Burgfestspiele historisch.JPG

Frau Tartler aus Regensburg hat uns einen Zeitungsartikel aus dem Jahr 1978 zukommen lassen, in dem von den allerersten Burgfestspielen ab 1949 berichtet wird.

Sie können diese Seite hier rechts in der gesamten Größe sehen. Der Text ist weiter unten wiedergegeben.

Frau Tartler berichtete dazu:

"Meine Mutter Emma Kraus geb. Hammer, war die erste "Elisabeth von Leuchtenberg" und hatte auch bei "Jedermann" 1949 die Rolle der Buhlschaft und 1950 spielte sie die Mutter von "Wilhelm Tell".
Die ersten Burgfestspiele fanden ja schon 3 Jahre nach Kriegsende statt. Soweit ich von Mutter weiß, hatten der Lechtenberger Pfarrer Ohneis und der Lehrer Josef Kraus die Idee zu einem Burgfestspiel. Herr Pfarrer Ohneis schrieb auch das Buch zu "Elisabeth von Leuchtenberg", was dann 1948 aufgeführt wurde.
Die Mitwirkenden kamen aus Leuchtenberg und näherer Umgebung, und probten und spielten nach schwerer, landwirtschaftlicher Arbeit mit riesiger Begeisterung.
Der Unterschied zwischen den heutigen und damaligen Leuchtenberger Burgfestspielen liegt in der unterschiedlichen Betonung. Heute sind es Burgfestspiele in Leuchtenberg, damals waren es die Leuchtenberger, die auf der Burg Spiele aufführten. Der Idealismus der heutigen Laiendarsteller ist sicher der Gleiche, damals herrschten aber noch ganz andere Lebensumstände, so kurz nach dem Krieg. Aber gerade weil die Menschen den Krieg überlebt hatten und dem Leid und den begangenen Verbrechen etwas entgegensetzen wollten, haben sich alle Mitwirkenden so eingesetzt. Die Einnahmen wurden alle zu caritativen Zwecken verwendet, die Mitwirkenden bekamen eine Brotzeit und es muß ein wunderbares, intensives Gemeinschaftsgefühl geherrscht haben. Vor allem dieses Gefühl hat aus allen Erzählungen meiner Mutter hervorgeleuchtet.
[Meine Mutter] kann sich noch an die Namen zweier Hauptdarsteller bei" Jedermann" erinnern. Den Tod spielte Lehrer Kraus, der aus dem Rheinland stammte, dahin zurückkehrte und in den achziger Jahren verstarb. Den Mammon spielte ein Herr Gruber Georg, der aus der Umgebung von Leuchtenberg stammte.
Der Hauptdarsteller des "Wilhelm Tell" stammte aus Vohenstrauß! Sie erinnert sich nur noch daran, daß er Maler war (Handwerker). Sie meinte aber, daß bei dieser Aufführung mehr Vohenstraußer mitgespielt hätten, weil sich die Leuchtenberger und Vohenstraußer gut miteinander verstanden und Kontakte waren."


Hier der Text des Zeitungsberichts aus dem Jahr 1978:

Es gab sie schon, die Leuchtenberger Burgfestspiele

In den Jahren 1949 und 1950 zogen die Festspiele 8000 bis 10000 Besucher an

Leuchtenberg - Die Geister der Burg Leuchtenberg wurden aus dem Schlaf geweckt, möchte man sagen, wenn man die Ereignisse der letzten Wochen und Monate verfolgt. Bei feuchtfröhlichen Partys rumorte es gewaltig in den alten Mauern, nicht immer nur zur Freude der Leuchtenberger, wogegen gelungene Burg- und Sommernachtsfeste auch den uneingeschränkten Beifall der Gemeindebürger fanden. Dann verschloß der "Fäkalienerlaß" mit lautem Knall das Burgtor, daß es im "Blätterwald" wiederhallte. Als schließlich auf den Wehrgängen für zehn Tage grimmige Ritter für das Fernsehen agierten, "zündete" es beim JU-Boß Jakob Landgraf: "Burgfestspiele müssen her, vor allem auch, um dem sanft entschlafenen Leuchtenberger Fremdenverkehr auf die Beine zu helfen". Was - der erst vor wenigen Jahren aus Eslarn zugezogene Landgraf nicht wissen konnte: Die Idee war hervorragend, aber nicht neu, denn - es gab sie schon die "Leuchtenberger Burgfestspiele".

Bei Jakob Landgraf auf den OBERPFÄLZER NACHRICHTEN lief das Telefon heiß. Viele erinnerten sich an die "herrlichen Spiele" und meinten, es müsse doch möglich sein, so etwas wieder zu machen. Dann meldete sich eine Dame, die es genau wissen mußte: Emma Kraus, geborene Hammer, die weibliche Hauptdarstellerin der Leuchtenberger Burgfestspiele 1949 und 1950! Frau Kraus die "mit dem Herzen noch Leuchtenbergerin" ist, inzwischen aber in Weiden wohnt, sagte Jakob Landgraf spontan ihre Unterstützung zu und meinte sogar: "Ich bin jederzeit bereit eine Rolle zu übernehmen".

100 Mitwirkende bei "Wilhelm Tell"

Im Währungsjahr 1948 spielte die begeisterte Laienschauspielerin ihre erste größere Rolle als "Landgräfin Elisabeth von Leuchtenberg" und es war die Kolpingsfamilie, die sich mit dem gleichnamigen Schauspiel erstmals vor eine breitere Öffentlichkeit wagte. Das Buch zu dem historischen Stück, das sich an die Geschichte Leuchtenberhgs anlehnt, hatte Pfarrer Karl Ohneis geschrieben. Der Erlös aus dieser Veranstaltung floß einem wohltätigen Zweck zu.

Auch die zweiten Burgfestspiele wurden ausschließlich aus caritativen Beweggründen organisiert. Der VdK Leuchtenberg und Vohenstrauß entschloß sich 1949 Schillers Schauspiel "Wilhelm Tell" aufzuführen um, wie es in der damaligen Denkschrift heißt "die ungeheuere Not vor allem der Schwerbeschädigten, Hinterbliebenen und Waisen zu lindern". Maßgeblichen Anteil am Zustandekommen dieser Spiele hatte damals ein Mann, der vor allem den Weidnern kein Unbekannter ist: der damalige 1. Kreisvorsitzende des VdK Willi Faltenbacher, jetzt Bezirksvorsitzender der "Bayerischen Volkstrachtenvereine links der Donau".

Im engen Burghof fand man allerdings keinen Platz, denn es wirkten über 100 Darsteller mit! "Sie stellten sich alle ohne Bezahlung zur Verfügung und bekamen nur eine Brotzeit", erinnerte sich Emma Kraus, die damals Tell's Gattin spielte. Die Inszenierung hatte der bewährte Oberspielleiter der "Oberpfälzischen Landesbühne Weiden", Stefan Preußler übernommen. "Wilhelm Tell" wurde ein überwältigender Erfolg, nur noch übertroffen von Hugo von Hofmannsthals "Jedermann", den Preußler 1950 auf der Burg Leuchtenberg inszenierte.

Schon vor 28 Jahren Fremdenverkehrsverein

Eines ist besonders bemerkenswert: Es gab damals, vor 28 Jahren, in Leuchtenberg bereits einen Fremdenverkehrsverein! Heute besteht diese Institution nicht mehr, obwohl die kleine Gemeinde solche Initiativen nötiger hätte denn ja. Der "Wald- und Fremdenverkehrsverein Leuchtenberg" organisierte die dritten Festspiele. Nun war man schon ein erfahrener Festspielort und konnte auf die Erfahrungen der letzten Jahre zurückgreifen. Hatte zum Beispiel beim "Tell" noch ein Münchner für das Bühnenbild verantwortliche gezeichnet, so schufen diesmal die Leuchtenberger die herrliche Jedermannkulisse selbst, unter der sachkundigen Anleitung von Josef Kraus, Haartrachten und Masken gestaltete die Weidener Firma Sieber. Für die Rolle des Jedermann hatte man einen hervorragenden Schauspieler engagiert: Franz Otto, vom Städtebundtheater Hof.

Emma Kraus spielte die "Buhlschaft" und erinnert sich an den, nach heutigen Verhältnissen kaum mehr vorstellbaren Idealismus der mitwirkenden Laiendarsteller. "Die meisten von uns kamen aus der Landwirtschaft und mußten tagsüber schwer arbeiten. Abends fuhren wir mit einem Lastwagen nach Vohenstrauß, wo im 'Gasthaus drei Lilien' die Proben abgehalten wurden".

Burgfestspiele wieder möglich?

Bei den beiden letzten Festspielen wurden jeweils 8000 bis 10000 Besucher gezählt und keiner weiß eigentlich so recht, warum es nach 1950 in Leuchtenberg nicht weiterging. Es gab zwar 1951 noch zwei sehr erfolgreiche Auftritte in Grafenwöhr, wo man auf dem Annaberg "Wilhelm Tell" aufführte, doch dann schlief das Ganze ein.

Trotzdem: Die vielen positiven Reaktionen auf den Vorstoß von Jakob Landgraf lassen auf eine Wiederbelebung der Burgfestspiele hoffen, und wir haben auch heute noch eine ganze Reihe guter Laienspielgruppen, die sich ...[Text unlesbar].. würden. Denkbar wäre eine Festspielwoche mit einem großen historischen Schauspiel, ergänzt durch "echtes" Freilichttheater ähnlich wie auf der Luisenburg. Hierzu böte das Burginnere eine herrliche Kulisse.

Natürlich wäre dann der Einbau von Toilettenanlagen nötiger denn je. Hier läßt die letzte Stellungnahme von Regierungsbaudirektor Ulrich Schmeißner hoffen, derzufolge bereits Standort und Finanzierung geprüft werden. Es ist auch anzunehmen, daß das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus, das der Bauträger der Burgruine ist, einer Nutzung für kulturelle Zwecke nicht ablehnend gegenübersteht. Eine Neuauflage der Burgfestspiele wäre für den gesamten Oberpfälzer Fremdenverkehr ein Gewinn. Auch Egbert Wanninger, der Vorsitzende des "Fremdenverkehrsvereins Weiden und Umgebung e.V." signalisierte: "Eine hervorragende Idee!"